Österreich fördert inklusive Beschäftigungsmodelle: Faire Bezahlung statt Taschengeld für Menschen mit Behinderungen. Pilotprojekte starten in mehreren Bundesländern.
Für viele Menschen mit Behinderungen in Österreich bedeutet Arbeit bislang nur Beschäftigung – nicht jedoch faire Bezahlung. Das Sozialministerium unter Leitung von Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann setzt nun ein deutliches Zeichen: Mit neuen Pilotprojekten sollen echte Alternativen zu den bisherigen geschützten Werkstätten geschaffen werden, die Menschen mit Behinderungen einen fairen Lohn und soziale Absicherung garantieren. Ein Paradigmenwechsel, der endlich berufliche Teilhabe in den Mittelpunkt stellt.
Die Fakten: Warum die Reform notwendig ist
Derzeit sind laut Sozialministerium rund 28.000 Menschen mit Behinderungen in sogenannten tagesstrukturellen Einrichtungen beschäftigt. Sie erhalten dafür lediglich ein Taschengeld ohne arbeitsrechtlichen Anspruch auf Lohn oder Sozialversicherung. Die UN-Behindertenrechtskonvention, die auch Österreich ratifiziert hat, fordert ein inklusives Arbeitsumfeld mit gleichberechtigter Teilhabe am Berufsleben.
Was sich jetzt ändert: Inklusive Arbeit als neues Modell
Mit der Förderrichtlinie „Inklusive Arbeit“, die seit einem Jahr gilt, wird der Grundstein für ein modernes, faires Arbeitsumfeld gelegt. Mit einem Budget von 36 Millionen Euro fördert das Sozialministerium in Zusammenarbeit mit den Bundesländern Pilotprojekte, die zeigen sollen, wie inklusive Arbeit außerhalb geschützter Werkstätten gelingen kann.
Die wichtigsten Eckpunkte der neuen Beschäftigungsmodelle:
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Faire Entlohnung statt Taschengeld: Menschen mit Behinderungen erhalten künftig einen arbeitsrechtlich korrekten Lohn.
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Sozialversicherung inklusive: Alle Arbeitsverhältnisse sind sozial- und arbeitsrechtlich abgesichert.
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Vielfältige Beschäftigungsformen: Ob direkt im Unternehmen, in Integrationsprojekten oder in modernen Strukturen – die Modelle richten sich flexibel nach den individuellen Bedürfnissen.
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Barrierefreiheit im Fokus: Arbeitsplätze werden angepasst, Unterstützungsangebote stehen bereit.
Pilotprojekte für einen echten Kulturwandel
Die neuen Modelle setzen bewusst auf Vielfalt:
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Inklusive Arbeitsplätze in Betrieben mit angepassten Aufgabenfeldern.
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Integrative Beschäftigung mit regulären Verträgen und geregelter Arbeitszeit.
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Innovative Ansätze in bestehenden Einrichtungen mit echtem Gehalt.
Mehrere Bundesländer haben bereits Anträge eingereicht, erste Projekte stehen kurz vor dem Start.
Sozialministerin Schumann setzt klares Zeichen
„Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf faire Bezahlung und echte berufliche Teilhabe. Es ist höchste Zeit, dass wir den Weg in ein inklusives Arbeitsleben gemeinsam mit den Ländern konsequent umsetzen“, betont Korinna Schumann. Sie macht deutlich: Die Zeiten, in denen Menschen mit Behinderungen nur mit Beschäftigung ohne Perspektive abgespeist werden, sollen der Vergangenheit angehören.
Mehr Inklusion durch starke Partnerschaften
Der Erfolg dieser Reform hängt von einer breiten Allianz ab:
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Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Unternehmen
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Aktive Beteiligung von Menschen mit Behinderungen nach dem Prinzip „Nichts über uns ohne uns“
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Unterstützung durch Gewerkschaften und Interessenvertretungen
Die Politik verspricht: Aus den Pilotprojekten wird gelernt, was funktioniert, damit langfristig ein inklusiver Arbeitsmarkt für alle entstehen kann.
Fazit: Ein Meilenstein für Gleichberechtigung
Der Schritt hin zu fairer Bezahlung ist mehr als nur ein arbeitsmarktpolitisches Signal. Er ist ein Zeichen von Respekt und Anerkennung. Die neuen Pilotprojekte könnten den Arbeitsalltag von tausenden Menschen mit Behinderungen grundlegend verbessern und ihnen endlich die Rolle zugestehen, die ihnen zusteht: als gleichwertige Mitglieder der Arbeitswelt.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie effektiv die neuen Modelle sind. Fest steht: Österreich unternimmt einen mutigen und dringend notwendigen Schritt Richtung Inklusion und Gleichstellung.