Endlich ein Lichtblick: Österreichs Handel legt wieder zu

Österreichischer Einzelhandel erlebt Aufschwung 2025.

Der österreichische Handel verzeichnet erstmals seit 2021 wieder reales Wachstum. WKÖ-Trefelik spricht von einem Lichtblick, warnt aber vor Inflation, Fachkräftemangel und unfairer Konkurrenz durch Onlineplattformen.

Nach einer langen Flaute zeigt die Handelskonjunktur in Österreich wieder positive Signale. Laut aktueller Analyse des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) verzeichnete der heimische Handel im ersten Halbjahr 2025 das erste reale Plus seit fast vier Jahren. Eine Nachricht, die sowohl Konsumenten als auch Händler hoffen lässt.

Handelskonjunktur zieht wieder an

„Nach mehreren mageren Jahren sehen wir endlich einen Lichtblick: Der heimische Handel ist im 1. Halbjahr 2025 das erste Mal seit fast vier Jahren wieder gewachsen“, erklärte Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), in einer Presseaussendung.

Konkret stiegen die Umsätze um 2,6 Milliarden Euro auf rund 138,6 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung der moderaten Preissteigerungen ergibt das ein reales Wachstum von +0,5 %. Besonders bemerkenswert: Die Preise im Handel legten mit +1,4 % weniger stark zu als die allgemeine Inflationsrate – ein Faktor, der die Konsumenten entlastet.

Einzelhandel im Aufwind

Ein klarer Wachstumsmotor ist der Einzelhandel, der real um 1,6 % zulegte. Vor allem der Food-Sektor (+2,1 %), aber auch Schuhhandel (+7,5 %) und Heimwerkerbedarf (+6,1 %) sorgten für positive Impulse. Auch der Blumenhandel erfreute sich eines kräftigen Plus von 5 %.

Schwächer lief es dagegen im Schmuckhandel (-10,8 %), bei Büchern und Zeitschriften (-10,3 %) sowie im Spielwarenhandel (-5,4 %). Diese Branchen kämpfen weiterhin mit verändertem Konsumverhalten und der starken Konkurrenz durch Onlineplattformen.

Herausforderungen bleiben

Trotz der positiven Bilanz bleiben große Baustellen: Die Zahl der Insolvenzen im Handel stieg im ersten Halbjahr 2025 auf 604, die Beschäftigung sank um 1,6 %. Gleichzeitig nahm die Zahl der Arbeitslosen um 10,7 % zu.

Sonja Marchhart, stellvertretende Geschäftsführerin der Bundessparte Handel, sieht dennoch Chancen: „Wir wissen, dass der Fachkräftemangel im Handel künftig steigen wird. Deshalb setzen wir Initiativen, um die Lehre attraktiver zu machen.“ Unter anderem mit Social-Media-Kampagnen auf TikTok, Snapchat und YouTube sowie der Teilnahme am WorldSkills-Wettbewerb 2026 in Shanghai.

Ausblick: vorsichtiger Optimismus

Für das Gesamtjahr 2025 gibt sich der Handel verhalten optimistisch. „Wir haben nach wie vor eine schwierige gesamtwirtschaftliche Situation in Österreich und die Kauflaune ist noch lange nicht dort, wo sie sein sollte. Dennoch wollen wir positiv in die Zukunft blicken, der Handel lebt von Stimmungen, wir brauchen wieder Zuversicht“, so Trefelik.

Wichtig seien faire Wettbewerbsbedingungen – vor allem gegenüber internationalen Onlineplattformen. „Nur wenn gleiche Regeln für alle gelten und Bürokratie abgebaut wird, kann aus der Erholung ein nachhaltiger Aufschwung entstehen“, betonte der WKÖ-Obmann.

Fazit

Der österreichische Handel zeigt endlich wieder Aufwind – doch der Weg zu einem stabilen Aufschwung bleibt steinig. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Kaufkraft zu stärken, junge Menschen für den Handel zu begeistern und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Dann könnte der aktuelle Lichtblick tatsächlich zu einem dauerhaften Trend werden.

Teilen:
Picture of Caroline Lechner
Caroline Lechner
Journalist, Redakteur und Herausgeber. E-Mail: [email protected]