Nach über 25 Jahren intensiver Gespräche hat die EU das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay endgültig beschlossen und zur Unterzeichnung freigegeben. Damit können künftig bestimmte Mengen südamerikanischer Lebensmittel zu reduzierten Zöllen in die EU importiert werden.
Das Abkommen soll den Handel erleichtern, birgt jedoch auch Risiken für die heimische Landwirtschaft. Besonders kleinstrukturierte Betriebe stehen im Wettbewerb mit günstigeren Importprodukten unter Druck.
Risiken für österreichische Bauern: Preisdruck und Produktionsstandards
Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben, betont:
„Wenn beim Lebensmitteleinkauf der Preis der einzig wichtige Faktor ist, steht es schlecht um unsere Landwirtschaft. Österreich wird es niemals zum billigsten Preis geben, das geht sich mit unseren hohen Produktionsstandards nicht aus.“
Kritisch betrachtet werden vor allem Rindfleisch und Zucker: Während in Österreich strenge Tierwohl- und Pflanzenschutzstandards gelten, kann importiertes Fleisch und Zucker aus Südamerika häufig zu niedrigeren Preisen angeboten werden. Royer erklärt: „Das argentinische Steak wird uns nicht im Kühlregal begegnen, sondern oft anonym auf dem Teller im Restaurant. Der brasilianische Zucker versteckt sich in verarbeiteten Produkten.“
Die Folge: Heimische Bauern müssen trotz hoher Produktionsstandards im Preiskampf bestehen. Zudem stehen Umwelt- und Klimaschutzfragen, etwa die Abholzung von Regenwald, weiterhin im Fokus der Kritik.
Vorteile: Neue Märkte und gesicherte Herkunftsbezeichnungen
Nicht alles am Abkommen ist problematisch. Es eröffnet österreichischen Produzenten neue Exportchancen, insbesondere für Wein, Spezialitäten und geografisch geschützte Produkte wie Tiroler Speck oder Steirisches Kürbiskernöl.
„Handelsbeziehungen bringen Sicherheit und Planbarkeit in unsicheren Zeiten“, erklärt Maria Fanninger, Mitgründerin von Land schafft Leben. Durch die vereinfachten Exportwege könnten heimische Betriebe neue Märkte erschließen und ihre Absatzmöglichkeiten verbessern.
Das Abkommen schützt zudem EU-Standards und geografische Herkunftsangaben vor Nachahmung. Damit bleiben Qualitätskennzeichen wie „Österreichisches Rindfleisch“ oder „Steirisches Kürbiskernöl“ rechtlich gesichert.
Bewusster Konsum bleibt entscheidend
Das Mercosur-Abkommen zeigt, wie eng Globalisierung, Handelspolitik und heimische Landwirtschaft miteinander verbunden sind. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Wer bewusst zu heimischer Ware greift, unterstützt regionale Betriebe, Tierwohl, Umwelt und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig eröffnet das Abkommen Exportmöglichkeiten und wirtschaftliche Chancen, die gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wichtig sind.
„Unsere Landwirtschaft kann nur bestehen, wenn wir Konsumverhalten, Produktionsstandards und Handelspolitik in Einklang bringen“, resümiert Royer.