Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 5 Prozent könnte für viele Haushalte spürbare Entlastung bringen – besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen. Doch wie groß ist der Effekt wirklich, wer profitiert am meisten und wo liegen die Grenzen der Maßnahme?
Ein Schritt gegen teure Lebensmittel – und gegen die Inflation
Lebensmittelpreise zählen seit Jahren zu den größten Sorgen vieler Haushalte in Österreich. Brot, Milch, Eier oder Gemüse sind deutlich teurer geworden, während Einkommen oft nicht im gleichen Ausmaß gestiegen sind. Vor diesem Hintergrund sorgt die geplante Mehrwertsteuer-Senkung auf Grundnahrungsmittel für Aufmerksamkeit – und Hoffnung.
Die Maßnahme sieht vor, den derzeitigen ermäßigten Steuersatz von 10 Prozent auf 5 Prozent zu halbieren. Laut Berechnungen des Momentum Instituts würde das die Supermarktrechnung eines durchschnittlichen Haushalts um rund 126 Euro pro Jahr senken. Das ist kein revolutionärer, aber ein spürbarer Betrag – vor allem angesichts der hohen Lebenshaltungskosten.
Wer profitiert am stärksten von der Steuersenkung?
Besonders interessant ist der Blick auf die Verteilungswirkung. Denn relativ zum Einkommen profitieren vor allem jene Haushalte, die ohnehin wenig haben.
Nach Analysen des Momentum Instituts sparen die einkommensärmsten Haushalte rund 0,8 Prozent ihres Einkommens, während das einkommensstärkste Fünftel lediglich 0,2 Prozent einspart. Die Entlastung wirkt damit sozial ausgewogen, da Grundnahrungsmittel einen größeren Teil des Budgets von Niedrigverdienern ausmachen.
In absoluten Zahlen zeigt sich allerdings ein differenziertes Bild:
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Haushalte mit niedrigen Einkommen sparen im Schnitt 110 Euro pro Jahr
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Haushalte mit hohen Einkommen kommen auf etwa 135 Euro jährliche Ersparnis
Der Grund: Wer mehr konsumiert, spart auch bei niedrigeren Steuersätzen absolut gesehen mehr – selbst wenn der relative Effekt geringer ist.
Was zählt überhaupt als Grundnahrungsmittel?
Ein zentraler Punkt ist noch offen: Welche Produkte genau unter die Steuerreduktion fallen werden, ist derzeit nicht final definiert. Für seine Berechnungen hat das Momentum Institut jene Lebensmittel berücksichtigt,
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die im untersten Einkommensfünftel überdurchschnittlich konsumiert werden oder
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die von der Mehrheit dieser Haushalte regelmäßig gekauft werden.
Dazu zählen typischerweise Brot, Milch, Eier, Mehl, Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Basis-Gemüse. Die endgültige Liste wird entscheidend dafür sein, wie stark die Maßnahme im Alltag tatsächlich wirkt.
Reicht die Mehrwertsteuer-Senkung aus?
Ökonomen sehen die Steuerreduktion als wichtigen ersten Schritt, aber nicht als Allheilmittel. Das Momentum Institut weist darauf hin, dass eine vollständige Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel noch deutlich stärkere Effekte hätte.
Zusätzlich werden Preisdeckel für ausgewählte Basisprodukte ins Spiel gebracht – nach dem Vorbild Kroatiens. Dort sind für bestimmte Grundnahrungsmittel fixe Höchstpreise festgelegt. Ziel: Planungssicherheit für Haushalte und Schutz vor weiteren Preissprüngen bei lebensnotwendigen Produkten.
Wichtig bleibt: Kommt die Entlastung wirklich an?
Ein entscheidender Faktor ist, ob die Steuersenkung tatsächlich an die Konsumenten weitergegeben wird. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen: Das funktioniert oft, aber nicht automatisch. Transparenz, Wettbewerb und Kontrolle bleiben daher entscheidend, damit die Maßnahme ihre volle Wirkung entfalten kann.