Gehaltsschere Österreich: Warum Frauen auch 2026 noch den Kürzeren ziehen

Gehaltsschere in Österreich: Der Equal Pay Day rückt auf 11. Februar vor.

Der Equal Pay Day fällt heuer in Österreich auf den 11. Februar – zwei Tage früher als noch im Vorjahr. Auf den ersten Blick mag das nach Fortschritt klingen, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich weiter tief verwurzelte Ungleichheiten.

Frauen verdienen im Schnitt 11,6 Prozent weniger als Männer, bezogen auf ganzjährig Vollzeit beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Besonders markant sind die Unterschiede bei Angestellten (27,9 Prozent) und Arbeiterinnen (25,1 Prozent).

Christa Kirchmair, Präsidentin der Initiative Equal Pay, bringt es auf den Punkt:

„Zwei Tage Fortschritt sind kein Erfolg, sondern ein Warnsignal. Es tut sich zu wenig – und das viel zu langsam.“

Strukturelle und kulturelle Ursachen

Die Ursachen für die Einkommenslücke sind tief verankert. Es geht nicht um unterschiedliche Arbeitszeiten oder individuelle Entscheidungen, sondern um systemische Bewertungsfragen und kulturelle Muster, die Tätigkeiten mit hohem Frauenanteil häufig niedriger bewerten.

Zudem bleibt Gehalt ein sensibles Thema. Die mangelnde Transparenz erschwert Vergleiche und verhindert, dass bestehende Ungleichheiten sichtbar und verhandelbar werden.

„Gerade diese Zahlen zeigen, dass wir es nicht mit individuellen Entscheidungen zu tun haben, sondern mit systemischen Bewertungsfragen und kulturellen Prägungen“, so Kirchmair.

Equal Pay: Mehr als nur eine politische Forderung

Gleichstellung ist kein Selbstzweck, sondern wirtschaftlich und gesellschaftlich entscheidend. Faire Bezahlung trägt zur Fachkräftebindung, zur höheren Erwerbsbeteiligung und zur Stabilität des Wirtschaftsstandorts Österreich bei.

Die Initiative Equal Pay fordert daher:

  • Verbindliche Entgelttransparenz für alle Beschäftigten

  • Strukturelle Neubewertung von Tätigkeiten und Verantwortung

  • Faire Rahmenbedingungen für Karriere und Führung

  • Echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ohne Einkommensnachteile

  • Konsequente Umsetzung bestehender Gleichstellungsinstrumente

Kirchmair betont:

„Equal Pay ist eine Frage von Fairness, Zukunftsfähigkeit und Glaubwürdigkeit unseres Standorts. Solange Frauen auch bei Vollzeit deutlich weniger verdienen, bleibt Gleichstellung unvollständig.“

Handeln statt applaudieren

Der Equal Pay Day am 11. Februar 2026 ist kein Grund zum Feiern. Er ist ein Aufruf zum Handeln: Strukturen hinterfragen, kulturelle Muster aufbrechen und Maßnahmen umsetzen, die faire Bezahlung Realität werden lassen. Nur so kann Österreich langfristig wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben – und echte Gleichstellung schaffen.

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Caroline Lechner
Journalist, Redakteur und Herausgeber. E-Mail: [email protected]