Systematische Ausbeutung: So werden Arbeitnehmer abgezockt

Schockierende Zahlen: Wie Betrug die ganze Wirtschaft gefährdet.

Steuerbetrug, Lohnraub und Sozialversicherungsbetrug sind kein Randphänomen, sondern in mehreren Branchen fest verankert. Die Gewerkschaft vida hat bei der Enquete „Für gerechten Wettbewerb“ im Bundesministerium für Finanzen aufgedeckt, wie diese Praktiken Beschäftigte, Unternehmen und den Staat gleichermaßen schädigen.

Systematische Ausbeutung statt fairer Wettbewerb

„Wer Löhne drückt, Beiträge hinterzieht und Steuern umgeht, handelt illegal. Das schadet uns allen: den Beschäftigten, den vorbildlichen Unternehmen sowie den Steuerzahlern“, erklärte Olivia Janisch, stellvertretende Vorsitzende der vida.

Besonders dramatisch zeigen sich die Unterschiede im Straßengüterverkehr. Lkw-Fahrer aus der Slowakei verdienen nur rund die Hälfte dessen, was österreichische Kolleg:innen im gleichen Job bekommen. Während ein heimischer Fahrer auf etwa 2.600 Euro brutto kommt, erhält der slowakische Lenker nur knapp 1.000 Euro brutto. „Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist systematische Unterentlohnung“, kritisiert Janisch.

Paket- und Kurierdienste: Verantwortung wird ausgelagert

Auch in der Paketzustellung zeigt sich das Problem: Beschäftigte werden über Subunternehmen beschäftigt, Arbeitszeiten nicht korrekt erfasst, Sozialabgaben oft nicht abgeführt. „Wer Verantwortung nach unten durchreicht, organisiert Ausbeutung“, warnt Janisch. Die Gewerkschaft fordert daher Haftung des Erstauftraggebers für Löhne, Arbeitszeiten und Abgaben sowie digitale Arbeitszeitaufzeichnungen für Kleintransporte.

Tourismusbranche: Lohnraub als Alltag

Im Tourismus ist die Lage ähnlich besorgniserregend. Unbezahlte Überstunden, falsche Angaben bei der Sozialversicherung oder fehlende Beiträge für Trinkgelder sind keine Einzelfälle. Besonders prekär: Arbeitskräfte aus Drittstaaten werden über Saisonkontingente eingeflogen, während beim AMS tausende Arbeitslose auf Jobs warten. Einige Beschäftigte müssen bis zu 77 Stunden pro Woche arbeiten, ohne ordentlichen Urlaubsanspruch oder Krankenstand. „Das ist Ausbeutung auf Bestellung“, so Janisch.

Klare Maßnahmen gefordert

Die Gewerkschaft verlangt:

  • Mehr Personal bei Kontrollbehörden

  • Höhere Sanktionen bei Steuer- und Lohnbetrug

  • Manipulationssichere Arbeitszeitaufzeichnungen

  • Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung für Betriebe, die häufig Personal über AMS „zwischenparken“

„Wer korrekt wirtschaftet und die Beschäftigten fair behandelt, darf nicht der Dumme sein. Betrug darf nicht billiger sein als Rechtschaffenheit. Ein starker Rechtsstaat erfordert konsequente Kontrollen und Durchsetzung der Gesetze“, fasst Janisch zusammen.

Systemische Ausbeutung bekämpfen – zum Wohl aller

Die Fälle aus Transport, Zustellung und Tourismus zeigen: Steuerbetrug und Lohnraub sind strukturell verankert. Nur flächendeckende Kontrollen, klare Haftungsregeln und spürbare Strafen können verhindern, dass Ausbeutung weiter floriert. Für die vida ist klar: Wer die Regeln missachtet, darf nicht davon profitieren – sonst leidet die ganze Gesellschaft.

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Caroline Lechner
Journalist, Redakteur und Herausgeber. E-Mail: [email protected]