Transparenz bei Spritpreisen: ÖAMTC drängt auf EU-Maßnahmen

Spritpreis-Problem in Österreich: ÖAMTC sieht Lösung in Brüssel.

Die hohen Benzin- und Dieselpreise sind in Österreich nur die Spitze des Eisbergs – der ÖAMTC fordert nun ein konsequentes Vorgehen auf EU-Ebene.

Die Diskussion über steigende Benzin- und Dieselpreise ist in Österreich erneut entbrannt. Zwar untersucht die Bundesregierung die heimischen Preise, doch laut dem ÖAMTC reicht ein nationaler Blick nicht aus. „Benzin und Diesel werden auf internationalen Plattformen gehandelt, deren Preisnotierungen als Signal für den europäischen Markt dienen. Daher liegt dort der weitaus größere Hebel für faire Preise“, erklärt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC Interessenvertretung.

Die Spritpreise werden demnach nicht isoliert in Österreich bestimmt, sondern spiegeln die Dynamik des gesamten europäischen Rohöl- und Mineralölmarkts wider. Einfache Analysen auf nationaler Ebene greifen hier zu kurz – zu komplex sind die Zusammenhänge von Handelsplattformen, Raffinerien und Großhändlern.

Intransparente Handelsplattformen erschweren faire Preise

Problematisch ist insbesondere die sogenannte „Spritpreisbörse Rotterdam“, auf der Benzin und Diesel notiert werden. Die Plattformen arbeiten weit weniger transparent als klassische Waren- oder Aktienbörsen: Informationen über Handelsmengen und Preise sind nur gegen teure Abonnements zugänglich, obwohl sie die Preisbildung in zahlreichen EU-Staaten maßgeblich beeinflussen.

„Im Extremfall findet überhaupt kein Handel statt, während Angebots- oder Nachfragenotierungen dennoch als Richtschnur für die Preise an der Zapfsäule herangezogen werden. Die Rechnung zahlen letztendlich die Konsument:innen“, so Dominik Graf, Verkehrswirtschaftsexperte beim ÖAMTC. Zusätzlich nehmen nur wenige Unternehmen am Handel teil, die oft voneinander abhängig sind.

EU-Kommission bislang untätig

Ein Vergleich zeigt Handlungsbedarf: Bereits im Februar 2025 stellte das deutsche Bundeskartellamt in seinem Bericht zur Raffinerie- und Kraftstoffbranche fest, dass die aktuellen Notierungssysteme die Gefahr einer stillschweigenden Preisabsprache begünstigen. Einzelne Marktteilnehmer könnten die Preise gezielt zu ihrem Vorteil beeinflussen. Trotz dieser Erkenntnisse blieb die EU-Kommission bisher passiv.

Wiesinger betont: „Es ist absolut zu begrüßen, wenn sich nun Österreichs Finanzminister Markus Marterbauer des Themas annimmt. Es ist höchste Zeit, dass ein Mitgliedsstaat Druck auf die EU-Kommission ausübt und zu einer Untersuchung drängt.“

Warum ein europäischer Ansatz notwendig ist

Die Preisentwicklung an der Tankstelle hängt nicht nur von nationalen Steuern oder Abgaben ab, sondern stark von internationalen Handelsmechanismen. Ein rein österreichischer Blick kann kurzfristige Maßnahmen bieten, löst jedoch nicht die Grundproblematik. Nur eine koordinierte EU-weite Untersuchung kann für mehr Transparenz sorgen, Preisverzerrungen verhindern und faire Spritpreise gewährleisten.

Der ÖAMTC kündigt an, diese Initiative aktiv zu unterstützen. Ziel ist es, dass die europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht länger überhöhte Preise zahlen müssen, während Marktmechanismen hinter verschlossenen Türen operieren.

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Caroline Lechner
Journalist, Redakteur und Herausgeber. E-Mail: [email protected]